Gegen den Herbstblues helfen rockige Töne
Großbottwar-Hof und Lembach Die australische Gruppe Vdelli gehört zu den angesagtesten Bluesbands.
Jetzt hat die Formation dabei geholfen, die Reihe "Blues im Bottwartal" in der Kelter in Hof und Lembach
weiter als Geheimtipp für Musikfreunde zu etablieren. Von Astrid Killinger
Nebelschwaden ziehen um Hof und Lembach herum an diesen letzten Oktoberabenden. Doch die Zeit ist
noch nicht reif für den Herbstblues, für grautrübe Melancholie. Dagegen hat nämlich die Initiative "Blues
im Bottwartal" (BiB) etwas. Kurz bevor die alte, nicht heizbare Kelter in Lembach in ihre jährliche Winterstarre
verfällt und für Monate verriegelt wird, heizt BiB dort nochmal kräftig ein. Dafür holt sie die angesagtesten
Bluesbands, die gerade auf großer Tour sind, von der Autobahn herunter und lenkt sie in den versteckten
Flecken, der seit zehn Jahren ein heißer Geheimtipp ist für Bluesfans aus Nah und Fern.
Dabei hat es der Initiator Tilo Schumacher weniger mit der ruhigen Spielart des Genres. Es müsse schon
etwas Dampf dahinter sein, meint er. Darum hat nun die australische Gruppe Vdelli Halt gemacht im Bottwartal.
Diese kleine Band hat vom ersten Ton an mächtig eingeschlagen mit einer Klarheit und Präzision. Die Exaktheit
ist so grundlegend bei Vdelli, dass es scheint, sie mache überhaupt den ganzen Drive und das generell schnelle
Tempo aus.
Dabei kommen spielerische und sanftere Einlagen nicht einmal zu kurz. Sie wirken sogar gerade im Kontrast
besonders stark, etwa wenn Gitarrist und Sänger Michael Vdelli sich in einzelne Riffs hineinsteigert oder seine
Stimme ganz plötzlich fast ganz zurücknimmt. Überhaupt Vdellis Stimme! Wenn er spricht, klingt sie rau, fast
kratzig,wie überstrapaziert. Wenn er singt, ist sie kaum wiederzuerkennen. Weich und voll, geradezu warm ist
sie dann,inmitten der stahlharten, elektroverstärkten Saitentöne. Wieder so ein aparter Kontrast des Vdellischen
Blues.
Schlagzeuger Ric Whittle macht auch mehr, als den Takt durchpeitschen. Er zaubert mit seinem Instrumentarium
stückweise seinen eigenen Sound, der klingelt und raschelt und dröhnt. Bassist Bob Perry überzeugt ebenfalls als
souveräne, eigenständige Musikerpersönlichkeit. Seine lebhafte Mimik ist wie ein Spiegel seines heftigen Spiels.
Wo über die Einzelsubjekte anderer Bands geschrieben wird, dass sie sich ergänzen, muss es bei Vdelli heißen:
Sie befeuern sich. Befeuern ließen sich auch die rund 100 Gäste. Sie applaudierten kräftig, einzelne tauchten
tänzerisch ganz ein in Vdellis kraftvolles Klanggebäude.
Früher hat BiB öfter zwei Veranstaltungen dieser Art pro Jahr veranstaltet. Damit ist es wohl vorbei. Selbst wenn
es möglich wäre, sich mit der regelmäßig im Frühling in der Kelter übenden Theatergruppe Scheuraburzler zu
arrangieren, sieht Tilo Schumacher das Problem, bei der Fülle von stark beworbenen Unterhaltungsangeboten
genügend Publikum für seine Nische in Hof und Lembach zu bekommen. Aber immerhin: "Einmal im Jahr Blues
im Bottwartal ist nicht zu viel." Das sagte Schumacher zu Begrüßung, und die, die da waren, gaben ihm natürlich
recht.
(Marbacher Zeitung, 30.10.09)



















